Töpfern

Altes Handwerk und neue Technik

Jeden Tag nutzen wir Teller und Tassen; unsere Blumen stehen in Tongefäßen. Im Bauwesen begegnet uns Ton in Form von Dachziegeln oder Fliesen. Kinder lernen Ton meist zum ersten Mal in Kitas und Grundschulen kennen und haben großen Spaß am Umgang mit dem natürlichen Element. Doch kaum jemand ist sich der Entwicklung des Handwerks bewusst: Der Ton kommt aus der Tüte, das Brennen im Brennofen ist aus Sicherheitsgründen Sache der Pädagoginnen und Pädagogen. Doch wann und wo wurde Ton als Werkmaterial entdeckt und wie wurde er früher verarbeitet? Welche Technik kam und kommt zum Einsatz und welchen Einfluss hat sie auf das Handwerk?

Herkunft des Tons

Ton ist der älteste und wichtigste Rohstoff für die Herstellung von Keramik. Er wurde bereits in der Steinzeit verwendet – Tonfiguren von Mammutjägern belegen dies. Die ältesten Keramikgefäße sind über 18.000 Jahre alt und stammen aus China.

Entstehung und Verwendung

Ton entsteht aus verwittertem Urgestein. Nach Jahrtausenden bilden sich aus tonigen Schwemmschichten, Sand, organischen Resten usw. Tonlager, die dann abgebaut werden können. Traditionelle Töpfer hatten ihre Werkstatt in unmittelbarer Nähe von solchen Tonlagern, aus denen sie Tonbrocken selbst ausgruben. Es gab aber auch Töpfer, die ihren Ton aus den Bergen bezogen. Sie stachen ihn dort aus und brachten ihn mit Eseln ins Dorf. Die Tonbrocken kamen gleich in ein gemauertes Becken und wurden mit Wasser bedeckt. Anschließend vermischte eine stählerne Rührstange Wasser und Ton zu einer schlammigen Masse. Früher drehte ein Esel seine Runden um die Mischgrube, später übernahm diesen Antrieb ein Benzinmotor. Nach dem Mischen des Tons musste der Tonbrei gesiebt und dann in Trockenwannen gepumpt werden, damit das Wasser langsam ablaufen konnte. Nun war der Ton verbrauchsfertig und wurde "geschlagen". Auch heute lernen Kinder auf diese Weise die Luftbläschen im Ton zu beseitigen: Mit voller Kraft dürfen sie den Ton auf eine feste, glatte Fläche werfen. Ein Riesenspaß für die Kinder – harte, alltägliche Arbeit für die Töpfer.

Darum dreht sich alles!

Die Töpferscheibe ist eine der ältesten technischen Erfindungen der Menschheit und das wichtigste Gerät beim Töpfern. Auf ihr platziert der Töpfer den Ton so, dass er sich symmetrisch dreht. Das kann man daran erkennen, dass der Ton stillzustehen scheint. Jetzt kann man den Ton hochziehen, aushöhlen und in die gewünschte runde Form drehen. Die hölzernen Töpferscheiben wurden anfangs mit einem Fußpedal und einem Antriebsrad bewegt. Heutzutage werden die Scheiben natürlich elektrisch angetrieben.

Technik damals und heute: der Brennofen

Ein traditioneller Brennofen bestand aus einer runden Ziegelstein-Konstruktion – etwa 1,5 m hoch und mit einem Durchmesser von 1,2 m. Oben war der Ofen offen und unten hatte er eine seitliche Öffnung. Darin wurden möglichst viele Tongefäße aufgestapelt und mit alten Scherben zerbrochener Krüge überhäuft. Darauf kam eine Schicht Schlamm, die den Ofen verschloss. Anschließend wurde der Brennofen langsam angeheizt – in Griechenland etwa vorwiegend mit Olivenholz oder mit Nussschalen, im Leipziger Raum mit Braunkohle oder mit regionalen Holzarten. Der Ofen musste zwölf Stunden lang von Hand nachgefeuert werden. Nach und nach wurden Elektro- oder Gasbrennöfen eingesetzt. Diese waren klein (etwa 0,5-1 m3 groß) und so mussten die Tonwaren ebenfalls kleiner und teurer sein. In der Industrie übernehmen heutzutage vollautomatische, mikroprozess-gesteuerte Brennöfen diese Arbeit.

Unikat versus Massenprodukt

Früher wurden in den Töpfereien vor allem Gebrauchsgegenstände hergestellt: Blumentöpfe, Schüsseln, Olivenöllampen, Vorratskrüge für Bohnen, Oliven und Olivenöl. Behältnisse für das Lagern von Getreide und Weinkrüge sind altbekannt; vor kurzem fanden Forscher Tonkannen, die offensichtlich zur Milchaufbewahrung dienten. Andere Gefäße wurden zum Zurücklegen eines Teils des Teiges vom letzten Brotbacken benutzt, denn darin hielt sich der Teig bis zu drei Monate. Die Töpfer verwandten früher meist keine Glasuren, verzierten die Gefäße aber mit verschiedenen Mustern. Damals wie heute kann man an der Kennzeichnung am Boden erkennen, woher das Tonprodukt stammt.

Heute entstehen in den traditionellen Töpferwerkstätten kleine, kostbare Kunstwerke, die durch die Handarbeit Unikatcharakter haben. Denn nur diese Meisterstücke können sich neben den günstigen Massenprodukten aus der Industrie verkaufen. Industriell hergestellte Keramik entsteht in vielen Arbeitsgängen in großen Fabrikhallen. Die Arbeiter darin haben weniger mit dem Ton selbst zu tun, sie steuern vielmehr die aufwändige Technik, die hinter der Produktion steht. Dadurch, dass Hohlteile (Vasen, Krüge etc.) in Gipsformen gegossen und Flachteile (Teller, Untertassen etc.) maschinell gepresst werden, sehen alle Produkte exakt gleich aus.

Zeugen vergangener Töpferkunst

Bei Ausgrabungen auf Kreta fand man sogenannte "Becher der Bescheidenheit". Diese Gefäße sind so geformt, dass man gut aus ihnen trinken kann, wenn man sie nicht zu voll macht. Wer zu gierig ist und zuviel hineinfüllt, verschüttet alles. Riesige Krüge, die zum Teil als Urnen benutzt wurden, konnten wegen ihrer Größe nur draußen und daher nur im Sommer hergestellt werden. Dafür verwandten die Töpfer die sogenannte Aufbautechnik, die Kinder auch heute noch beim Töpfern erlernen. Früher wurden außerdem kleine, geschlossene Krüge hergestellt, die durch einen Schlitz mit Münzen befüllt werden konnten. Diese frühen "Sparschweine" schenkte man Kindern, die, wenn sie erwachsen waren, den Krug zerbrechen mussten, um an das Geld zu kommen.



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